Luxus-V8 aus Korea

Über fünf unauffällige Längenmeter kennzeichnen den Hyundai Centennial

VIP-Limousine

Wusstet Ihr eigentlich, dass Hyundai auch fette Luxus-Schlitten baut? Wer der Leipziger Automesse AMI jüngst einen Besuch abgestattet hat und mit offenen Augen durch die heiligen Hallen lief, müsste den Genensis entdeckt haben. Mit dickem V8 unter der Haube und imposantem Auftritt punktet der Koreaner schonmal. Warum man ihn ausstellt, obwohl er vielleicht gar nicht nach Deutschland kommt, ist uns ein Rätsel. Um die Stimmung anzutesten? So ein Unsinn, wo doch selbst die obere Mittelklasse fest in der Hand von Bayern und Schwaben ist. Die hohen Herren der Marke wollen jedenfalls erst nochmal gründlich über eine Einführung nachdenken.

Und während die so vor sich hin denken, fahren wir schonmal Hyundai V8. Okay, nicht den Genesis, aber große Autos sind für den Hersteller ja nicht neu: Da wäre zum Beispiel der Centennial VS 450. Wir sind der Sache nachgegangen und haben mal platzgenommen in der exotischen Limousine, die übrigens nicht das uns bekannte Markenlogo trägt: Es gibt eine Extrawurst, also ein eigenes Zeichen.

Schwarz und mächtig steht das über fünf Meter lange Riesenschiff beim Fähnchenhändler und wartet vergeblich auf Kundschaft. Eigentlich komisch, dass kein Schwein zugreift, denn toller gehts doch nun wirklich nicht: Diesen Hyundai gab es niemals auf unserem Markt und ist damit hochgradig exklusiv. Ein paar Hände voll von diesen VIP-Limousinen mit 4,5-Liter-V8 ließ der Hersteller zur WM 2006 nach Deutschland schaffen – schließlich wollte man sich als Sponsor nicht lumpen lassen und seinen High-Society-Gästen keine lausige Vier- oder Sechszylinder-Ware anbieten.

Und wie läuft die Fuhre so? Klar, dass wir es uns nicht haben nehmen lassen, ein paar Kilometerchen zu cruisen, denn nur mal reinsetzen reicht natürlich nicht. Kurzer Schlüsseldreh und der Achtzylinder verfällt in einen äußert leisen Leerlauf. Erinnert etwas an den alten Lexus LS 400, der flüstert auch nur und bollert gar nicht. Schnell rausrangiert (Parksensoren fehlen) und ab auf die Straße. Vorsicht mit dem Gaspedal, die Initialbeschleunigung ist von der giftigen Sorte.

Nicht so das Fahrwerk: Amerikanisch-weich stampft der Tourer über Bodenwellen, schwingt ergiebig nach und pariert kurze Wellen etwas hölzern. Man traut sich irgendwie nicht zu schnell in die Kurve, so richtig satt liegt der Centennial nicht. Das Bremspedal taucht tief ein, man fragt sich nach dem Grund. Etwas angestaubt wirkt alles, dabei hat die Limousine gerade einmal 8.000 Kilometer auf der Uhr. Dann Kickdown, das Automatikgetriebe schaltet ruckfrei zurück und es säuselt wieder vornehm. Ganz schön behände für runde 260 Pferdchen, aber Rennen will man mit diesem Koreaner ganz sicher keine fahren.

Majestätischer Anblick – Hyundai Centennial VS 450

Luxus-Schlitten

Platz gibt es ohne Ende, vor allem hinten. Dafür imitiert wirkendes Wurzelholz, aber extrem weiche Sessel mit Wohnzimmer-Flair. Wo ist die Sitzheizung für die hinteren Plätze? Nicht vorhanden, ein herber Minuspunkt. Dafür aber kann man sich an Haltegriffen festklammern, die an den Vordersitzlehnen befestigt sind, und es gibt schummriges Ambiente-Licht in grüner Ausführung. Beides schlechte Vorzeichen für intensive Kurvenfahrten. Okay, man nimmt besser die Autobahn mit Richtgeschwindigkeit, obwohl der Centennial bestimmt auch mal kurz 200 Sachen kann. Versucht haben wir’s erst gar nicht. Was also bleibt übrig? Der Reiz des Besonderen auf jeden Fall, denn wer kennt schon den Hyundai Centennial? Nicht viele Leute. Und viele wollen offenbar auch nicht, die Fuhre steht schon Monate auf dem Platz herum. Wenn wir den Jackpot knacken, nehmen wir ihn. Versprochen.

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